film : „gimme danger“ / ein film von jim jarmusch, usa 2016

was man über einen menschen sagen kann & wie unerheblich es am ende immer bleibt. was ein mensch über sich selbst zu sagen vermag & wie sehr es stets eine frage bleibt … so vieles kann in einer biographie stecken. noch mehr wird vergessen. im besten fall betrachtet der biograph die zerbrechliche überlebenskraft eines menschen, enthält sich weitgehend der wertung, und lädt andere zur teilnahme an seinem blick ein. was sichtbar wird, bestimmt ohnehin jeder betrachter für sich allein.

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an einer bestimmten stelle in der welt, irgendwo innerhalb eines kinos oder vor einem bildschirm, lädt jim jarmusch dazu ein, an seiner betrachtung über ein musikalisches phänomen teilzunehmen: iggy & the stooges. das führt weit zurück in die sechziger und siebziger jahre des vergangenen jahrhunderts und schlägt doch auch eine brücke zum anfang der zweitausender jahre. die lebens- & schaffenskraft einiger künstler gibt es her. sie sind verbrannt. wir riechen den rauch. fremde erinnerungsräume öffnen sich fremden blicken. möglicher weise entsteht ein glücksfall: ein augenblick des verstehens.

gimme danger 02

möglicher weise.

jim jarmusch steht einem dabei nicht im weg – in seinem kopf scheint ein miniaturkino zu existieren, dessen programm er lediglich nach außen zu projizieren braucht. schwupps, gibt es ein bemerkenswertes bildspektakel. ohne zweifel ist er ein meister der bildsprache. man muss das nicht immer großartig finden. die handwerkliche meisterschaft zu leugnen ist jedenfalls schwer möglich.

in diesem fall bedient er sich einer mischung aus interview und montage, um den chronologischen pfad der entwicklung von james osterberg zu iggy pop erkennbar zu machen und auf diesem pfad auch das zusammentreffen mit jenen menschen zu beleuchten, die schließlich für eine explosive weile „the stooges“ waren. so weit, so gut.

bleibt die frage nach dem glücksfall des verstehens. da wäre man dann wohl gut beraten (sollte man denn auf der suche nach verstehen sein. das muss man ja nicht & es gibt vielerlei andere blickwinkel auf diesen film und seinen inhalt), mit möglichst leerem kopf zu den bildern zu gehen. denn unglückseliger weise gibt es ein anhaltendes raunen und auch gelegentliches geschrei um iggy und die stooges, dem man nur schwer auszuweichen vermag. seit langem schon. immer neu entfacht durch passende gelegenheiten, wie eben auch diesen film; jeder weiß etwas, jeder hat etwas gehört oder gelesen, jeder hat eine meinung. diese gedankenmauer steht einem dann allerdings schwer und hoch im weg.

gimme danger 03

und doch ist der glücksfall des verstehens nicht unmöglich zu erreichen. er verbirgt sich zwischen den bildern und worten. er entwickelt sich rückwärts, ausgehend von den letzten worten des  iggy pop in diesem film: nicht dieser oder jener sein zu wollen, nicht dieser oder jener erwartung zu entsprechen, nicht dazu zu gehören – einfach nur sein zu wollen. dies als einen beständigen kampf mit sich selbst zu verstehen, ist einer der möglichen blickwinkel auf diesen film. denn wie in vielen anderen biographien zu allen zeiten, ist der kampf mit sich selbst auch hier das deutlich erkennbare zentrum.  daraus könnte man, vielleicht nicht zum ersten mal, aber erneut, um sich zu erinnern & den eigenen kampf nicht zu vergessen, einige dinge herausbemerken:

wenn man mit sich selbst und anderen halbwegs ehrlich ist, dann ist auf die meinung anderer zum eigenen leben geschissen. als hätte nicht jeder genug anlass, sich zunächst sorgsam um sich selbst zu kümmern.

wenn man zum chaos geht & bei ihm bleibt, dann kommt man darin um. das kann ein abenteuer sein und ein lebensziel. sollte man aber überleben wollen, muss man diese erfahrung nehmen und an einen anderen, sicheren ort tragen.

wenn man eine zeitreise macht, lernt man zuallererst, dass keine zeit existiert & das man deshalb zwar auf einer reise ist, aber nicht sicher sein kann, an welchem ort und wohin. es kann deshalb nicht schaden, sich gelegentlich an die bedeutung des augenblickes zu erinnern, der zwar sehr klein und mickrig sein mag, aber in letzter konsequenz alles mit allem verbindet.

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wenn

 

 

 

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