film : „ziggy stardust and the spiders from mars“ / ein film von d. a. pennebaker, großbritannien & usa 1973

ein kleiner ausflug in die musikgeschichte: am 07.03.2017 zeigte das kino international in berlin jenen musikfilm, in dem das letzte konzert der „spiders from mars“ im londoner „hammersmith odeon“ am 03. juli 1973 dokumentiert wird. die band, mit der david bowie seine kunstfigur ziggy stardust auf die bühne brachte, erlebte an diesem abend zugleich den höhepunkt einer welttournee & ihre mehr oder weniger spontane auflösung. es dauerte dann noch einmal beinahe zehn jahre, bis der entstandene film in die kinos gelangte. 2002 wurde das material remastert & neu präsentiert. in dieser form ist es nun hier für einen abend zu sehen:

bowie stardust 02

der film erlebte von beginn an eine sehr kontroverse aufnahme. einerseits erreichte er schon anfang der achtziger jahre ein großes publikum auf videokassette (und diese leute müssen ihn ja doch irgendwie gemocht haben, sonst hätten sie ihn wohl nicht gekauft), andererseits wurde er von vielen kritikern regelrecht verrissen.

ich vermag dem film keine schrecklichkeiten anzusehen. er stammt aus den frühen siebzigern; das ist mit blick auf bildästhetik und filmische idee schlicht ein anders universum als heute & natürlich sieht man das. aber ich halte d.a. pennebaker für einen innovativen dokumentarfilmer, der hier einen sehr eigenen blick auf die filmische abbildung eines konzertes entwickelt hat: grobkörnige und an der grenze der dunkelheit wandernde bilder werden zusammengefügt, nahaufnahmen geistern herum wie festgefahrene blicke eines zufällig anwesenden betrachters, ab und an begleitet man david bowie in den bereich hinter der bühne und erlebt dort  die regelrechte handarbeit an der figur ziggy stardust mit – das alles entfaltet einen ziemlichen charme. jedenfalls wenn man sich für david bowie und seine musik interessiert.

ein echter kritikpunkt an der gezeigten fassung des filmes wäre für mich das vorangestellte interview mit dem damaligen drummer woody woodmansey, das irgendwie als sinnvolle hinleitung eines zeitzeugen zum konzertfilm daherkommen soll, aber am ende doch nichts anderes zu sein vermag als eine schlaffe werbebemühung für woodmanseys autobiographie & eine unnötige halbe stunde langeweile.

bowie stardust 03

der eigentliche konzertfim aber hat mir großen spaß gemacht. david bowie steckt auf eine ganz eigentümliche weise distanziert, konzentriert & charmant in seiner rolle als ziggy; er ist müde, aber nicht leer. im grunde handelt es sich um einen ziemlichen glücksfall, an jener inneren bruchkante eines künstlers zu gast sein zu können, an der die notwendigkeit für ein ende und einen neuanfang vollzogen wird.

jenseits der bilder bleibt die erinnerung an ein ziemlich geiles konzert. die band ist eingespielt, ziggy fliegt vorneweg, und vor allem mick ronson verleiht ihm mit seinem gitarrenspiel mächtig schubkraft. das alles mag einen echten konzertbesuch nicht ersetzen können. aber darum geht es ja auch nicht. viel eher bin ich dem kino in solchen momenten dankbar für die möglichkeit einer zeitreise, für den blick durch verschiedene filter auf etwas, das ich zu den liebenswerten dingen meines musikalischen lebens zähle, und das es ohne den film so nicht für mich gäbe.

bowie stardust 04

 

—> das wissen von wikipedia 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s