konzert : amanda palmer / 01.11.2016 / huxleys, berlin

afp is back on stage und gott sei dank dafür. kein quentchen energie ging verloren. es ist alles noch da; unbändig, überschäumend, mitreißend, selbst in der denkbar reduziertesten form: frau & instrument. sie hat einen flügel dabei und eine ukulele. desweiteren gibt es noch einen ansagehasen und eine gastsängerin (whitney moses). das war`s & der rest ist eine über mehr als zwei stunden in verschiedenen formen und farben überwiegend explodierende und gelegentlich implodierende intensität, die ihresgleichen sucht.

amanda-palmer-03

ohne band wird etwas sehr deutlich, das bisweilen in ihren musikalischen winkelgängen ein wenig unterzugehen vermag: amanda palmer ist zuerst und vor allem eine fabelhafte geschichtenerzählerin. ihre geschichten können traurig und lustig sein, schwermütig und leichtfüßig,  sie können manchmal auch einfach schwachsinnig sein, aber sie haben immer einen magnetischen kern, besitzen ein zentrum, dem man sich schwer zu entziehen vermag.

natürlich braucht es dafür eine grundbegeisterung. man muss bereit sein, afp zu folgen. andernfalls kann einem ein abend wie dieser leicht langatmig erscheinen – denn amanda erzählt tatsächlich viel. sie breitet geschichten aus. sie nimmt anlauf zu erklärungen, biegt zweimal ab und kehrt an den ausgangspunkt zurück, verliert sich ab und an. ihre sprache ist der unbezweifelbare geburtsort ihrer musik. sie ist eine poetin und eine närrin. ob die eine schon da ist, oder die andere gerade mal weg, das weiß man nicht so genau. es ist auch nicht besonders wichtig.

wichtig sind die aufscheinenden szenen – die bedeutung der tasmanischen karte im australischen sprachgebrauch. das geschärfte auge der stripperin für die besonderen formen der männlichen einsamkeit. das strampelnde sausen der einzigen domina von boston, die mit einem fahrrad zur arbeit unterwegs ist. jene mit der präzision eines skalpells wirkende metaphorik einer geschichte, in der alles mit einer zerbrechenden liebe beginnt, dann im schnee zu erfrieren droht, und endlich bei einem entleibt noch in der hand des schlachters schlagenden tierherz endet. immerzu fragt sich das staunen, wie es nur möglich ist, so selbstverständlich zugleich lachen und weinen zu können.

Exif_JPEG_420

und aus all diesen geschichten wachsen endlich lieder, die ebenso närrisch und traurig und säuselnd und packend durch das publikum gehen wie ihre gesprochene verwandtschaft.

frau palmers frage, ob die anwesenden denn gern ein kurzes oder ein langes konzert haben wollen, wurde unbezweifelbar zu gunsten der dauer entschieden. natürlich. man möchte von diesem energiebündel die augen und ohren nicht nehmen. am ende aber ist es trotzdem zu ende. für den moment jedenfalls. und es klingt lange, lange nach. nicht nur mit tönen. sehr herzlichen dank, amanda fucking palmer.

 

amanda-palmer-04

 

spread the word

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s